Etappe 31 - der spanische Weg

04Okt2014

Zu Beginn der Etappe dachten wir kurz, wir würden nun etwas mehr alleine wandern, war doch unsere Herberge, ein ehemaliges Kloster, so gut wie leer – doch weit gefehlt! Die meisten Spanier und Spanierinnen beginnen erst hier den Jakobsweg. Spanisch ist nun die am meisten zu hörende Sprache und bleibt man mal für ein Foto stehen, dann wird man nicht mehr von ein oder zwei, sondern von einem Dutzend anderer wieder eingeholt.

Am schönsten sind für uns immer die Morgenstunden, wenn die Temperaturen angenehm sind und man den Sonnenaufgang sehen kann. 

Ein bisschen schade ist, dass wir nun alle anderen, mit denen wir die Reise begannen und die wir an fast jedem Abend in den kleinen Orten wieder trafen, nicht mehr sehen werden. Waren auch manche anfangs unsympathisch, wachsen einem die Reisebegleiter doch ans Herz. Ich denke dabei an die ‚Stars&Stripes’, also drei ältere Frauen aus Seattle, die ich so nannte, da die eine meist blaue, die nächste eher weiße und die dritte rote Funktionskleidung trug. Das Mädchen mit dem Schlapphut aus der Schweiz, die deutschsprechende Tschechin, den Iren, ...

Die Herbergsbekanntschaften machen wirklich viel Spaß, man kommt so schnell ins Gespräch. Alle grüßen sich in der Regel mit "Hola" und "Buen Camino!" und man sieht sich immer wieder an den Brunnen und Cafés. Martina aus München, mit der wir überlegt hatten, ob wir den harten oder den leichten Weg nehmen sollten nach Roncesvalles (sie den leichten, wir den Terror-abwärts-Weg [ich hätte nicht gedacht, dass abwärts gehen so anstrengend sein kann - kommt halt auf das Gefälle an]), das nette Paar aus der Nähe von Tel Aviv, von denen ich hoffe, dass sie bei ihrer Geschwindigkeit überhaupt über die Pyrenäen gekommen sind oder viele andere, die zwinkernd, gut gelaunt, Hände entgegenstreckend, Routen planend und auch hungrig und Unterkunft suchend das Gleiche wie wir machen. 

Und nun - Hallo Galizien, hallo Äpfel! Alles steht hier in sattem Grün, bemooste Wälder, Apfelbäume säumen unseren Weg. Dazwischen viele ganz alte Mauern aus Steinen, die wohl vor Ewigkeiten hergetragen wurden. 

Der Morgen war noch ein bisschen nebelverhangen, um so mehr überraschte der Hippie (er schläft und lebt dort wohl wirklich, mitten im Nichts!) im Wald, der gegen eine Spende Brötchen und Kuchen vor dem nächsten Hügel verkauft und glücklicherweise auch unser Wasser auffüllen konnte, das hatten wir ganz vergessen.

So waren die 23 Kilometer nach Portomarin eigentlich sehr gemütlich zurückgelegt! Portomarin ist leider nicht sonderlich spannend. In den 60ger Jahren musste das alte Portomarin für einen Stausee weichen. Nur die Kirche hat man Stein für Stein nummeriert, abgetragen und neu aufgebaut. Hier reiht sich sonst dann nur noch Herberge an Herberge, wie in diesen wohl Bett an Bett. Der Rekord bisher: 36 Personen auf gefühlten 10 Quadratmetern.