Etappe 36: Platz für 1000 Pilger vor den Toren der Stadt

09Okt2014

Huch, doch so nah schon!? Kilometerstein 20 motivierte diesen weiteren Tag mit Nieselschauern durchzustehen. Jeder Unterschlupf war voll mit durchnässten Pilgern, am Wegesrand moosüberwuchte Steinmauern vor grünen Wäldern.

Das Ende der heutigen Etappe, das kleine Monte del Gozo, soll bei gutem Wetter bereits einen ersten Blick auf die Kathedrale von Santiago de Compostela, das nur noch 4 Kilometer entfernt liegt, ermöglichen. Überdimensioniert dagegen ist hier die Herberge: ein Komplex aus ganzen 30 Barracken für jeweils mehr als hundert Schlafsuchende. 

Hat man vorher eigentlich nie Kinder gesehen, kamen ab den letzten 100km öfters ganze spanische Schulklassen jeden Alters den Weg entlang. Kurz vor Santiago de Compostela und auch vor Monte del Gozo hängen an jedem Zaun Kreuze aus selbstgesteckten Ästen. Das sieht sehr gruselig aus, obwohl es bestimmt nett gemeint ist.

Ansonsten war es nicht so nervig, durch die Regenschauer zu spazieren, man gewöhnt sich schon dran; klar, auch der beste Poncho ist irgendwann durchlässig und nasse Schuhe beschweren irgendwie den Fuß, aber solange man die vollgesogenen Jeans in einem Cafe auswechseln kann, ist doch alles in Ordnung. Im Wald ist es auch nur der Boden, der in Sturzbächen unter einem wegfließt, von oben ist es dann auch viel weniger. 

Der galizische Weg auf den letzten Kilometern bietet wirklich nicht mehr allzu viele neue Überraschungen, sodass so ein Pfützenslalom (oder Monsun) die ganze Sache doch gleich viel spannender gemacht hat.