Santiago de Compostela!

10Okt2014


Auf dem Weg soll der Pilger ja gelernt haben, dass sie oder er viel Zeit hat. So auch, wenn man sich die begehrte Compostela, die Urkunde über das Absolvieren des Jakobswegs holen möchte. In die Schlange vor dem Büro kann man sich (wenn man es nicht wie wir clevererweise einfach am nächsten Tag ganz früh morgens macht) zweieinhalb Stunden lang einreihen. Zeigt man seinen, jede Nacht und auf den letzten 100 Kilometern auch zwei mal am Tag von Herbergen oder Kirchen gestempelten, Credencial, also Pilgerausweis, bekommt man dafür die lateinische Urkunde. In Spanien werden die angeblich sogar gerne an Bewerbungsschreiben angehangen.

Dass die Kirche ausgerechnet genau dann restauriert wird, wenn wir einmal hier in unserem Leben ankommen, nach einem Fußweg, der seinesgleichen sucht, störte uns auch nicht weiter, waren es doch nur die zwei vorderen Haupttürme, ganz dezent. 

Jeden Tag um 12 füllt sich dann auch die Kathedrale komplett zur Pilgermesse. Die Touristen sitzen auf den Bänken, die Pilger finden nur noch Platz am Rande. Eine gute Stunde lauscht man lieblichen Gesängen und wartet, denn nur wenige Grußworte sind mal nicht auf spanisch, gebannt auf den Moment, wenn das große Weihrauchfass zum Schwingen gebracht wird. 

Müde vom ständigen Aufstehen, Beten und Bekreuzigen, hätte ich fast gar nicht mehr mitbekommen, dass nach 50 Minuten auf einmal alle Menschen in der vollen Kirche ihre IPhones, Kameras und IPads nach oben hielten. Gespannt kramte also auch ich meine Kamera raus, anscheinend sollte gleich etwas Weltbewegendes geschehen. Und ja: Weihrauch wurde im Metallkessel entzündet, der so groß war, wie der Kaffeeautomat der neben mir steht, und 6 Mönche haben circa 5 Minuten kräftig geschwungen. Am Ende hat ein Pleppo geklatscht und viele andere fielen ins Klatschen mit ein. Das war dann wirklich amüsant, denn ich glaube in katholischen Kirchen wird eher wenig applaudiert, aber ich war auch zugegebenermaßen noch nicht in vielen. 

Die Stadt ist zwar ganz schön, aber auch unheimlich voll und teuer. In den Herbergen lauschten wir den Erzählungen anderer, die den nördlicheren Camino del Norte gingen und für die daher die letzten gemeinsamen Kilometer mit dem von uns gegangenen und populäreren französischen Weg wie ein Kulturschock waren. Dafür hatten wir eigentlich nie Orientierungsprobleme oder keine Wahl als nochmal 10 Kilometer bis zur nächsten Herberge gehen zu müssen, weil sonst nirgends etwas sei.

Nun gut, erledigt! Wird Wandern unsere neue Leidenschaft? Ähm, naja. Aber Reisen wird es bleiben! :-) Denn am Ende unserer Ausflugs sind wir ja immernoch nicht!