Warum eigentlich pilgern?

26Sept2014

Nur noch zwei Tage trennen uns von den verheißungsvollen Pyrenäen. Während unserer Reisevorbereitungen haben wir so viel gelesen und gehört, dass man gar nicht weiß, was man glauben soll und was nicht - Jeder hat noch einen kleinen Tipp, was ganz besonders wichtig sei. Es sind ganze Bücher darüber geschrieben worden, wie man den Weg am besten geht. Ja, vielleicht ist das Gepäck doch noch zu schwer, die Schuhe nicht perfekt gewählt, die Kleidung nicht funktionsfähig genug… Aber wenn andere das schaffen, dann schaffen wir das auch. Vor hundert Jahren war ja auch noch niemand mit extra-leichtem Mikrofaserhandtuch unterwegs (zwei der wenigen Dinge, die wir uns außer Regenponchos, leichten Schlafsäcken und ein paar Wanderschlappen für Mel extra angeschafft haben).

Warum eigentlich pilgern? Bisher sind wir wohl nicht als allzu enthusiastische Wanderfreunde aufgefallen oder ich habe auch nicht den Eindruck gehabt, wir müssten für etwas Buße leisten. Warum reihen wir uns dann ein in den Strom der Pilger? Angeblich wird es Jahr für Jahr beliebter, so dass in manchen Sommern in den vermeintlichen einsamen Gegenden Nordspaniens 100 Kilometer von Santiago de Compostela, die ein echter Pilger mindestens zu Fuß gegangen sein muss, wahre Völkerwanderungen stattfinden. Was die zahlreichen Berichten und Bücher, sogar Kerkelings damalige Reisebegleitung Anne hat mittlerweile ein Buch verfasst, gemeinsam haben: Es soll einfach unheimlich schön und die Strapazen wert sein. Und so wirklich reihen wir uns gar nicht ein, denn wir werden es nicht bis Santiago schaffen, das war auch so nie geplant. Elf Tage nehmen wir uns Zeit um die ersten sieben oder acht Etappen, den vermeintlich schönsten Abschnitt mit der Überquerung der Pyrenäen, zu schaffen.


Bereits die erste Etappe von St.Jean-Pied-de-Port nach Roncevalles ist von allen Seiten als die anstrengenste beschrieben, denn es heißt wohl erstmal steil bergauf. 27 Kilometer lang. Noch bin ich frohen Mutes, aber ich kann mir auch schon gut vorstellen zu fluchen, wer da diese blöden Berge in den Weg gestellt hat.